Geschichte
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Wann die Seemühle erbaut wurde kann uns die Geschichte heute nicht mehr genau sagen. Es ist, als wäre sie schon immer da gewesen und hat - allen widrigen Umstände zu Trotz - bis heute standgehalten.

Die Seemühle wurde im 30-jährigen Krieg in Schutt und Asche gelegt. Wallensteins Feldlager lag jahrelang im Bereich des heutigen Steinbruch Sämann, daher der Flurname Wagenburg. Am 4.Juli 1662 sollte sie auf Befehl Herzog Eberhards wieder aufgebaut werden, denn sie lag noch "öd und wiest". Es legte aber niemand Hand an.

Das Schicksal der Seemühle durchlief eine bewegte Zeit voll Not und Armut. Sie war oft eine rechte Sorgenmühle, abhängig von dem unsteten Wasserzufluss der Schmie.

1832 kaufte Heinrich Franck die Seemühle von einem Seemüller, um seine Zichorienfabrikation aus dem Vaihinger Graben auszulagern. Die Mühle war bis dahin eine ländliche Kundenmühle gewesen und mit nur drei Mahlgängen eingerichtet. Eine kleine Zichorienmühle wurde neu erbaut. Sie brannte im Frühjahr 1840 und wurde durch eine größere am gleichen Platz ersetzt.

Unter der energischen Anleitung des Heinrich Franck, wuchs die Seemühle zum größten Industriegebiet Vaihingens. 30 Arbeiter und 90 Arbeiterinnen fanden damals hier eine Beschäftigung.

1860 reichte der Sohn Heinrich Francks das Abbruchgesuch für die historische Seemühle ein und erwirkte innerhalb einer Woche die Baugenehmigung für den Neubau der Seemühle deren letztes Gebäude das hiesige ist.

1879 verkauft die Familie Franck das Anwesen an Albert Beck, Heinrich Franck hatte seinen Betrieb nach Ludwigsburg umgesiedelt.

1908 war es dann wieder soweit: Am 24.März legte ein Großbrand die Fachwerkhäuser mit Wohnungen in Schutt und Asche. Nach den Löscharbeiten versuchte der Rosswager Feuerwehrkommandant Zimmermann seine Mannschaft mit dem Ruf "Rosswag hierher" zu sammeln, aber keiner war mehr da.

Nach dem 1. Weltkrieg erwarb der Rosswager Bauernverein die Seemühle und richtete in ihr unter anderem eine Teerpfahlanlage ein, eine Fischzuchtanlage, Jungviehweiden und mehr.

Durch die Gleichschaltung der Vereine im Dritten Reich ging die Seemühle in den Besitz des Reichsnährstandes über. 1940 erwarb sie das Land Württemberg - der Kreis zu Herzog Eberhard hatte sich wieder geschlossen.

Bearbeitet und verwaltet wurde die Seemühle während des Krieges vom Arbeitshaus Vaihingen, Schloss Kaltenstein. In dieser Zeit machte der gegenüberliegende Schinderrain seinem Namen traurige Ehre.

Beim Einmarsch besetzten französische Truppen die Seemühle und begannen von hier die verheerende erste Beschießung Nussdorfs.

Bis Kriegsende gehörte die Seemühle noch zum Arbeitshaus in Vaihingen auf Schloss Kaltenstein, zu dessen Insassen im Wandel der Zeit unter anderem auch geachtete und beliebte Mitbürger gehörten.

In einer Akte heißt es schlicht "von 1949 an wurde sie bewirtschaftet vom Jugenddorf auf Schloss Kaltenstein"

1951 lässt das Land über den Schweineställen zwei Gesindewohnungen errichten, die zusammen mit dem ehemaligen Mahlgang heute unter Denkmalschutz stehen.

1952 wird die Dreschhalle vom Schloss Kaltenstein auf dem jetzigen Platz der Firma Gayer aufgebaut. Die Dreschhalle selber wurde von einem Rosswager abgebaut und an anderer Stelle wiederaufgebaut.

1953 wird vom Staatsrentenamt festgestellt, dass sich das Mühlrad seit 40 Jahren nicht mehr dreht, ein Mühlrecht daher erloschen sei. Der Mühlkanal hatte aber noch Bestand und hatte das Recht zur Bewässerung der Wiesen und Tränken des Viehs. Heute wieder hat die Firma Hans Schmid das Recht, Wasser aus dem Mühlkanal zu entnehmen. Das Recht zur Führung einer Fischzuchtanlage ist jedoch seit dieser Zeit ebenfalls erloschen.

Seit dem 1. Mai 1959 ist der Hof landwirtschaftliche Außenstelle des Landesgefängnisses in Ludwigsburg. Die ehemaligen Pferdeställe werden zu Gefangenenzellen umgebaut. In normalen Zeiten waren hier im Gebäude 12 Gefangene untergebracht, zur Erntezeit 15.

Pächter Ferdinand Fischer beklagte sich darüber, dass er mit seinem Sohn um 5.00 Uhr früh anfangen musste, den Hof zu bewirtschaften, die Gefangenen aber erst um 7.00 Uhr aufstehen mussten.

Es wohnten hier die Familie Peter, Hermann Pohler und Gotthard Hammler als Bewacher der Gefangenen. Adolf Hoffmann aus Rosswag arbeitete ebenfalls noch hier.

Eine Liste aus dieser Zeit zählt auf: 14 Gefangene, 2 Aufseher, 2 Pferde, 11 Milchkühe, 1 Bulle, 7 Rinder, 3 Kälber, 1 Eber, 21 Mastschweine, 27 Läuferschweine, 29 Ferkel.

Das Trinkwasser aus dem Brunnen war verkeimt und von schlechter Qualität.

Im Jahre 1960 läuteten nochmals die Totenglocken für die Seemühle.

In Plänen des Regierungspräsidiums lag die Seemühle mitten in der Kreuzung einer vierspurigen Schnellstrasse. Die Enz sollte kanalisiert und 100 m südlich zum Wald hin verlegt werden. Die Planung für ein zu errichtendes Jugendgefängnis in der Seemühle wurde gestoppt. Der Unterhalt an den Gebäuden wurde auf ein Minimum gedrosselt, das Anwesen verfiel.

Die Planung für die Schnellstraße wurde aufgehoben. Das Gefängnis zog ins Kelterle. Jahre später schrieb das Land Baden-Württemberg das Hofgut zum Verkauf aus.

In diese Zeit nun fiel die Suche der Gemeinde Rosswag nach einem geeigneten Gewerbegebiet. Zur Diskussion standen ein Gelände unterhalb des Steinbruches Zimmermann, Die Faimen, entlang der Hagenrainstrasse und Die Seemühle.

Ende September gab der Gemeinderat die Zustimmung für den Standort Seemühle. Das neue Gewerbegebiet soll sogar Modellcharakter erhalten, um diesen sensiblen Bereich in Abstimmung mit dem Naturschutz gewerbemäßig nutzen zu können. Es soll im Zusammenhang mit der baulichen Gestaltung und mit der Landschaftseinbindung eine gute Lösung gefunden werden. Die Verwaltung hat erreicht, dass dieses Gebiet als Modellvorhaben des Landes gefördert wird, um entstehenden Mehrkosten teilweise abzudecken. Das insgesamt 1,2 ha große Gebiet wurde von der Stadt vom Land erworben und dann an die Rosswager Interessenten verkauft.

Auf dem jetzigen Gelände wird als Interimslösung eine Fläche für Asylanten hergerichtet. Der Verkauf des größten Grundstückes wird vorläufig verschoben.

1993 kommt Thomas Czechanowski, der zu dieser Zeit nach einer Vergrößerungsmöglichkeit für seine Schreinerwerkstatt in Maulbronn sucht, mit der Idee, das Gebäude zu erhalten.

Das Baugesuch wurde am 20. Januar 1995 eingereicht: Umbau und Umnutzung des bestehenden Betriebsgebäudes Seemühle 11. Einbau einer Schreinerwerkstatt, Verkaufs und Ausstellungsräume, Büros.

Der Rohbau war Anfang Dezember 1995 fertig. Die neue alte Seemühle hatte wieder Fenster, ein neues Dach und die tragenden Teile waren wieder in einwandfreiem Zustand.

Das ganze Jahr 1996 wurde am Innenausbau und Einrichtung gearbeitet.